Im Restaurant

Reserviert ist auf 12.15 für 4 Personen. Vollzählig um 12.20 stehen wir im kleinen Eingangsbereich und warten auf den Kellner. Ich bin zum ersten Mal hier. Es herrscht reger Betrieb um die Mittagszeit und ich kann mit blossem Auge keinen freien Tisch erkennen.

Jetzt kommt’s: Der Kellner hat uns geortet und kommt auf uns zu. Er: Hola Amigos, Ihr müsst noch kurz warten. Mein Kollege antwortet: Wir haben reserviert auf meinen Namen, 12.15Uhr. Ich stelle fest, die kennen sich bereits. Der Kellner darauf: Ach sooo… wir haben gedacht Ihr kommt nicht mehr und deshalb ist der Tisch jetzt besetzt. Ich interveniere: Entschuldigen Sie bitte, es ist 12.25 und wir sind schon ein paar Minuten da. Er darauf: In unserem Reservationssystem können wir nicht auf Fünfzehn Minuten genau eintragen. Wir haben lediglich Halb-Stunden-Fenster, also 12.00 oder 12.30. Bevor ich etwas dazu sagen kann, er zu meinem Kollegen: Warte kurz Amigo, ich schaue. Er flitzt mit Teller in der Hand weiter. Ich merke, dass mein Kollege hier öfters isst. Ich in die Runde: Was nun? Geht das immer so ab hier um die Mittagszeit? Mein Kollege ist sichtlich genervt. Ich füge hinzu: Gastronomie ist halt hektisch, da passieren Fehler und weniger Ordnung und mehr Spielraum tut der Schweizer Genauigkeit gut. Er darauf:  Das ist letzte Woche schon passiert aber jeder verdient doch eine zweite Chance. Ich so: Okaaaay – und schaue auf die andere Strassenseite zum Asiaten rüber. Gehn‘ wir zum Asiaten? Uhr: 12.40 aber eine gefühlte halbe Stunde später. Der Kellner kommt angerannt und klopft meinem Kollegen auf die Schulter. Ich habe einen Platz für euch, folgt mir. Die Lösung zeigt sich im Zusammenschieben von zwei kleinen Tischlein, so dass es kein Durchkommen mehr gibt, weder für andere Gäste noch für Kellner. Notgedrungen und eingepfercht sitzen wir da, die Ellbogen an den Körper herangezogen, drehen unsere Spaghettis auf die Gabeln und träumen von Poulet Süss-Sauer mit viel Ellbogenfreiheit auf der anderen Strassenseite. Mein Kollege ist am meisten genervt. Vorallem deshalb, weil er hier öfters speist und dies nicht das erste Mal vorkommt. In Zukunft speisen wir woanders – Amigo hin oder her.

Tipp: Der Amigo-Effekt. Viele tendieren dazu, bei bestehenden und guten Kunden nachlässig zu werden. Die Vertrauensebene ist geschaffen, man kennt sich gut. Hier mal eine Minute zu spät, da Mal etwas schief gelaufen – nicht so schlimm. Wir sind ja bereits Per Du, alles easy. Dem ist leider nicht so. Denn genau bei diesen Kunden sollte man sich extra Mühe geben und nicht in die Komfortzone fallen. Sonst bleiben einem bald die Stammkunden weg und wie wir ja alle wissen: Neukunden aufzubauen kostet Geld, Energie und Zeit.

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